Musik ist wie eine Sprache? Interview mit Frau Shemroske

Dieses Halbjahr durften wir unsere neue Musiklehrerin, Regine Shemroske, an der GISB willkommen heißen. Seit Anfang Februar ist sie nun an der Schule und um sie etwas besser kennenzulernen, haben wir folgendes Interview mit ihr geführt…

Estela T und Nadine W: Können Sie sich bitte für die Leser vorstellen und etwas über sich erzählen?

Regine Shemroske: Wer bin ich? Hm, das ist eine gute Frage. Also, ich bin schon seit langer Zeit in Amerika. Davor war ich an einem deutschen musikalischen Gymnasium und habe dort Querflöte studiert. Ich bin dann mit 19 in Harlem entlang gegangen mit meiner Querflöte in der Hand, es war eigentlich eine ganz spannende Zeit muss ich sagen. In Boston, hier, an der Tufts University habe ich dann mein Sekundarstufenabschluss gemacht, also Masters in Education. Da habe ich auch sehr viel die Verbindung zwischen Kunst und Unterricht als Thema gehabt. Sieben oder acht Jahre lang habe ich dann an der Waldorfschule in New Hampshire Musik unterrichtet. Ich unterrichte schon eine sehr lange Zeit, mittlerweile sind es schon 40 Jahre! Ich habe mich also nach 25 Jahren dazu entschlossen, eine kurze Pause zu machen und während ich als Aufnahmeleiterin arbeitet, beschlossen, ein Community Orchester in New York aufzubauen. Danach habe ich mir überlegt, “Was kommt als nächstes?” Ich habe immer schon gesagt, ich möchte die letzten Jahre mit Musik, so wie ich angefangen habe, verbringen. Musik war immer das Zentrum meines Lebens. Egal, was ich mache, auch wenn ich Mathe unterrichtete, habe ich es musikalisch unterrichtet. Jetzt habe ich euch gefunden! Die Schule ist acht Minuten von meinem Haus entfernt und ich wusste nicht einmal, dass die Schule existiert. Ich hatte keine Ahnung! Ich habe zufällig durch eine Freundin erfahren, dass es die Deutsche Schule in Boston gibt. Ihr habt dann eine Musiklehrerin gebraucht und das war natürlich perfekt! Der Rest meiner Familie ist auch hier und das ist mein Zuhause, ich mag es sehr gerne hier.

Sprechen Sie außer Deutsch und Englisch noch weitere Sprachen?

Ein bisschen Französisch. Ich liebe Französisch und alles was Französisch ist. Mich hat aber meine Französischlehrerin im Gymnasium mal rausgeschmissen, weil ich barfuß in die Klasse kam. Insofern habe ich es nicht so weit gebracht, wie ich es wollte…  

Wie unterscheidet sich die Atmosphäre der Klassen und allgemein der Schulgemeinschaft hier, von der, die Sie gewöhnt sind?

Ein großer Unterschied ist, dass wir auf Waldorfschulen keine Textbücher benutzen. Dort machen wir unsere eigenen Hefte. Das war eines der Lieblings-Engagements meiner Schüler, sie haben die Bücher sehr gerne geschrieben. Außerdem war dort die Verbindung zwischen Kunst und Akademie sehr stark. Ich habe auch das Gefühl, dass Schüler immer gut darauf reagieren und ich finde, dass diese Methode das Interesse auch sehr weckt…sonst kann der Unterricht manchmal etwas trocken sein. Deshalb finde ich auch, dass dieses Vermischen eine Bereicherung für diese Schule sein könnte. Was mir hier natürlich sehr gut gefällt, ist, dass ihr alle Deutsch sprecht, so kann auch ich wieder Deutsch sprechen. Außerdem muss ich so nicht so weit – nach Deutschland oder in die Schweiz – reisen, um von meiner Kultur umgeben zu sein. Ich finde, die Kollegen und die Schüler hier haben eine sehr besondere, sehr höfliche und respektvolle Ausstrahlung. Damit meine ich nicht, dass man nie unterbrochen wird, aber im Prinzip ist eine gesunde Haltung hier, genauso wie in der Waldorfschule. 

Gibt es irgendein Konzept oder dergleichen, welches Sie gerne von einer Ihrer alten Schulen hierher an die GISB bringen wollen würden?

Ich glaube, dass man alles, was man lernt, schön gestaltet und erlebt. Also wirklich so mit Musik und Kunst, dass man alles damit verbindet und es eine Ausstrahlung auf die anderen Fächer hat. Ich denke, das bereichert das Akademische, wenn das Künstlerische richtig eingebaut ist und davon durchdrungen wird. Obwohl ich euch nur einmal die Woche sehe, hoffe ich, dass ich das mit euch beleben kann. Mit dem Winter- und Sommerfest für die ganze Schule neue Impulse zu setzen. Was ich sehr gerne mache, und bei meinem Orchester in NY gemerkt habe, ist Menschen zusammenzubringen. 

Gab es einen Moment, von dem Sie sagen können, dass Sie gemerkt haben, dass Sie beruflich etwas mit Musik machen wollen?

Das ist eine gute Frage. Ich weiß, dass ich mit 7 Jahren schon eindeutig wusste, dass ich Lehrerin werden will. Meine Mutter sagt, dass ich immer am Klavier saß (ich hatte 4 Geschwister), alle um mich gestellt und Klavier gespielt habe. Dann sagte ich immer “und weil’s so schön war noch ein Mal!” Schon damals habe ich Lehrerin gespielt und dann mussten sie alle immer zuhören. Außerdem hat mein Vater immer alle Musik geliebt und alle Instrumente gekauft, die er nur kaufen konnte. Wenn er in England war und irgendwo ein Klavier oder eine Orgel gesehen hat, musste das Instrument gekauft werden und nach Deutschland transportiert werden. Ich bin also einfach mit Liebe für Musik aufgewachsen. Daher glaube ich, in dem Musikalischen Gymnasium war es schon klar für mich, dass ich in die Richtung gehen würden. 

Gabe es auch Momente, in denen Sie es bereut haben, Musik studiert zu haben?

Nein. Ich war ja mit 19 in einem fremden Land, Amerika, und ich habe gemerkt, dass man über Musik eine Sprache sprechen kann, die alle Menschen verstehen. Für mich war meine Querflöte eine Sprache, die jedes Land versteht. Dieser Gedanke hat mich dann auch sehr motiviert.

Welche Instrumente spielen Sie denn?

Mein Hauptinstrument ist die Querflöte, aber ich spiele auch alle Blockflöten, Gitarre und ein bisschen Klarinette und Klavier. Ich kann noch alles auf dem Klavier auswendig spielen, was ich damals konnte.

Haben Sie einen Lieblingskünstler bzw. ein Lieblings-Musikgenre, oder mögen Sie alle Musik?

Ich mag klassische Musik und bin ein totaler Bach Fan. Ich finde Bach ist einfach ein wahnsinnig talentierter Künstler, aber ich liebe auch guten Rock, wie die Beatles. Außerdem mag ich auch gute Folk Musik und Hip Hop, weil mir gesagt wurde, dass Hip Hop denen ohne Stimme eine Stimme verleiht. Das fand ich wieder interessant, weil ich immer schon dachte, dass Musik eine Sprache ist, und wenn Hip Hop den Stimmlosen eine Stimme verleiht, finde ich da etwas dran.

Gibt es Ihrer Meinung nach wahrlich unmusikalische Menschen?

Meiner Meinung nach gibt es ein Spektrum von Musikern. Es gibt welche, die sagen, es gibt nicht-musikalische Menschen und andere, die sagen, dass es das nicht gibt. Der letzteren Meinung bin auch ich. Ich glaube wirklich, dass wenn man “unmusikalisch” ist, man die Sprache einfach noch nicht entwickelt hat. Wenn man viel Musik macht, wächst man darin auf. Also ich glaube wirklich nicht, dass es nicht-musikalische Menschen gibt.

Vielen Dank, dass Sie uns über sich erzählt haben!

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